1 Januar 2025

Wie Agetsu geboren wurde

Wie Agetsu geboren wurde

Der spirituelle Weg ist für jeden Menschen einzigartig und doch gibt es viele Parallelen – viele Momente, in denen wir mit etwas Höherem oder Tiefgründigem in Kontakt kommen. In meinem Fall war es eine Reise, die mich über viele Jahre hinweg immer wieder in die Meditation und zum Buddhismus geführt hat. Der Name Agetsu, den ich 2020 bei meiner Ordination in Noorder Poort erhielt, ist Ausdruck dieser Reise, die schließlich zu meiner spirituellen Heimat führte.

Der erste Kontakt mit dem Buddhismus

Meine Reise begann schon sehr früh, als ich ungefähr acht Jahre alt war. In der Schule behandelten wir im Religionsunterricht verschiedene Weltreligionen. Eines der Bilder, das mich damals besonders beeindruckte, war das eines Soto-Mönchs, der mit dem Gesicht zur Wand saß und meditierte. Die Bildunterschrift lautete: „Dieser Mönch meditiert und versucht an nichts zu denken.“ Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mir damals dachte, wie schwer es wohl sein muss, an nichts zu denken. Heute weiß ich, dass diese Vorstellung ein Missverständnis war – Meditation geht weit über das bloße „Nichtdenken“ hinaus.

Der Weg zur Meditation

Im Jahr 2003, als ich in Utrecht (Niederlande) lebte, fand ich schließlich den Weg zur Meditation. Zu dieser Zeit war ich schon lange von der Philosophie des Buddhismus fasziniert, doch ich hatte keine Ahnung, dass die Meditationsgruppe, die ich besuchte, eine Zengruppe war. Es war eine seltsame und gleichzeitig sehr aufschlussreiche Entdeckung, als ich merkte, dass die Praxis, der ich folgte, tief in der buddhistischen Tradition verwurzelt war. Dieses erste Erleben in der Zengruppe weckte in mir ein starkes Verlangen nach mehr – nach einer tieferen Verbindung und einem intensiveren Verständnis der buddhistischen Praxis.

Die Ankunft in Noorder Poort

Im Jahr 2005 zog ich in eine andere Stadt, was dazu führte, dass ich mir eine neue Meditationsgruppe suchen musste. Ich landete schließlich bei der Montagabendgruppe von Noorder Poort, einem Zen-Tempel in Wapserveen. Als ich dort zum ersten Mal ankam, fühlte es sich sofort an, als sei ich nach Hause gekommen. Die Atmosphäre, die Stille und die Konzentration auf die Praxis – alles fügte sich so organisch zusammen, dass ich wusste, dass ich an einem besonderen Ort war.

Noorder Poort bot auch mehrtägige Meditationskurse, sogenannte Sesshins, an. Ich begann, immer regelmäßiger zu meditieren, und 2013 nahm ich an meinem ersten Dai Sesshin teil – ein großes, siebentägiges Meditations-Retreat. Am letzten Tag dieses Sesshins entschied ich mich spontan, an der Jukai-Zeremonie teilzunehmen, bei der ich Zuflucht zu Buddha, Dharma und Sangha nahm. Dies war ein tiefgreifender Moment der Verbundenheit mit der buddhistischen Tradition.

Das Leben nahm eine Wendung

In den Jahren zwischen 2005 und 2014 schien mein Leben stabil zu sein. Ich hatte einen gutbezahlten Job bei einer niederländischen Großbank, war verheiratet, und wir lebten in einem großen Haus mit Garten. Doch das Leben, wie es oft ist, kann uns schnell in eine neue Richtung führen. Durch die Digitalisierung und die damit verbundenen Kündigungswellen verlor ich meinen Job, und zusammen mit meinem damaligen Mann gründeten wir einen Online-Shop.

Das neue Geschäftsmodell war hart und arbeitsintensiv, und während die beruflichen Herausforderungen zunahmen, begann auch unsere Ehe zu kriseln. 2019, nach einer Reihe von persönlichen und beruflichen Rückschlägen, stand ich mit etwa zehn Umzugskartons, einem Auto und unserem Hund vor einem neuen Anfang. Genau zu dieser Zeit war ich wieder einmal zu einem Sesshin in Noorder Poort.

Der Ruf nach Noorder Poort

Während jedes Besuchs in Noorder Poort spürte ich tief in mir den Wunsch, dort länger zu bleiben und mehr Zeit mit der Praxis zu verbringen. Ich fragte Jiun Hogen Roshi, die dortige Zenmeisterin, ob es möglich wäre, für längere Zeit dort zu leben und zu praktizieren. Ihre Antwort war ein „Ja“. Ich durfte sogar meinen Hund mitnehmen!

2020, nach einem längeren Prozess der Entscheidung und inneren Auseinandersetzung, zog ich schließlich nach Noorder Poort. Dort wurde ich von Jiun Hogen Roshi in einem feierlichen Ritual ordiniert und erhielt den Namen Agetsu – „Ah, der Mond“. Der Mond, ein Symbol für Wandel und stilles Licht, erinnert mich immer wieder daran, dass das Licht der Weisheit auch in den dunklen Zeiten unseres Lebens erstrahlen kann.

Der Name Agetsu und mein spiritueller Weg

Der Name Agetsu, der mir in der Zeremonie verliehen wurde, ist für mich mehr als nur ein Name – er ist Ausdruck meiner spirituellen Reise. Der Mond, der in seiner Wandlung und Klarheit über den Himmel zieht, spiegelt meinen eigenen Weg wider: ein stetiger Prozess der Veränderung, der die Dunkelheit mit dem Licht der Weisheit erleuchtet.

Wenn ich heute zurückblicke, kann ich sehen, dass mein spiritueller Weg nicht in einem bestimmten Moment begonnen hat. Es war vielmehr eine Ansammlung von Momenten, die mich immer wieder zurück zur Meditation und zum Buddhismus führten. Der wahre Beginn meiner Reise liegt in der Erkenntnis, dass der Weg zu uns selbst niemals linear verläuft. Es ist ein Weg des ständigen Wandels, des Wachsens und des Erkennens.

Fazit

„Wie Agetsu geboren wurde“ ist mehr als nur eine Geschichte über einen spirituellen Namen. Es ist die Geschichte einer Reise, die von vielen Momenten des Erkennens, der Herausforderung und des Wachstums geprägt war. Sie beschreibt auch, wie ich zur Meditation und zum Buddhismus gekommen bin. Der Mond, als Symbol für Veränderung und Licht, begleitet mich weiterhin auf meinem Weg, und ich bin dankbar für die Erfahrungen, die mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin.

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